DER NAZI & DER FRISEUR

Nach dem Roman von Edgar Hilsenrath

Der Nazi & der Friseur

Fotos: ©MEYER ORIGINALS

Der Nazi, der sich selbst zum Juden macht: Edgar Hilsenraths Romangroteske, die in deutscher Sprache erstmals 1977 in Köln erschien, nimmt eine verstörende Erzählperspektive ein. Max Schulz, gelernter Friseur, macht in den 1930-er Jahren Karriere in der SS. Als Wachmann eines Konzentrationslagers tötet er mit eigener Hand seinen jüdischen Schulfreund Itzig Finkelstein und dessen ganze Familie. In der Nachkriegszeit nimmt er Itzigs Identität an, um sich der Verfolgung zu entziehen, und wandert nach Palästina aus. Max-Itzig, der Massenmörder, bringt es dort zum Untergrundkämpfer für den Staat Israel und zum geachteten Besitzer eines Friseursalons. Hilsenraths Provokation, die Shoah aus der Sicht eines Täters zu erzählen, hat an Wirksamkeit nichts eingebüßt. Die Doppelgestalt des Massenmörders, der in die Haut seines Opfers schlüpft und davonkommt, rührt an Grundfragen von Ethik, Moral und Schuld.

Judith Kriebel inszenierte am FWT „Deutlich weniger Tote“ (2013).

Mit Till Brinkmann, Philipp Sebastian | Bühnenfassung und Inszenierung Judith Kriebel | Ausstattung Susanne Weibler

Vorstellungsdauer ca. 100 Minuten. Keine Pause
Premiere 27. Januar 2016

Die nächsten Vorstellungstermine / Kartenbuchung

Presse

“Starker Tobak und ein starkes Stück Theater, das Hilsenraths Text in atemberaubend schnelle, grelle Slapstick-Szenen auflöst, ohne dabei sein Thema zu verraten. Philipp Sebatian und Till Brinkmann verkörpern Täter und Opfer mit beängstigender Intensität, zwei clowneske Untote aus dem Schattenreich, deren Identitäten mal verschwimmen, mal auseinanderdriften - eine großartige, physisch stark fordernde Leistung. Die Schwingtüren der kongenialen Bühne (...) halten die Aufführung in ständiger Spannung und Bewegung. Dass die elementaren Fragen nach Schuld und Moral dabei nicht untergehen, ist das große Verdienst dieser Inszenierung.” Kölnische Rundschau

"Kongeniale Umsetzung von Edgar Hilsenraths provozierendem Schelmenroman über den Nazi als Kriegsgewinnler" theater:pur

"Judith Kriebel wagt mit ihrer Inszenierung des bizarren Schelmenromans eine Gratwanderung, die sie auch dank eines blendend aufgelegten Schauspielerduos mit Bravour meistert. Intelligent umgesetzt." koeln-nachrichten.de

“Was sich so monströs anhört, kommt in der Inszenierung weitaus differenzierter und vielschichtiger daher. (…) Wenn Till Brinkmann und Philipp Sebastian (…) in rasendem Tempo die Rollen wechseln, sich die verbalen Bälle gekonnt zuwerfen, jüdische Lieder singen, miteinander streiten, zu einer Person verschmelzen. (…) Der permanente Rollenwechsel, großartig inszeniert (von Judith Kriebel) und ebenso großartig gespielt, ist eine adäquate künstlerische Umsetzung des Inhalts, der sich immer wieder darum dreht: wer bin ich und wie kann ich mich neu erfinden? (…) Das Publikum applaudiert begeistert, Till Brinkmann und Philipp Sebastian kann man nur eines attestieren: das sie unter die Haut zu gehen vermochten. So sehr, dass man nach 100 Minuten den Wunsch verspürt, mit anderen über das Gesehene zu sprechen. Weil es so beklemmend war. So aberwitzig. So unglaublich. Und doch auch so glaubhaft. Das ist das Bestürzende.” meinesuedstadt.de

"In dieser Spielzeit überwiegen auf der Bühne des Freien Werkstatt Theaters die Stücke, die sich mit dem Nationalsozialismus (Peter Weiss: 'Die Ermittlung') oder dem Jüdischsein (Marianna Salzmann: 'Muttersprache Mameloschn') beschäftigen. Da passt eine Bühnenadaption der Romangroteske 'Der Nazi & der Friseur' von Edgar Hilsenrath bestens ins Bild. (...) Die Groteske gelingt Kriebel und den beiden Schauspielern erstaunlich gut." kultura extra

"Beide Darsteller wechseln beständig Positionen und Rollen, überzeugen durch ihr Timing und durch gelungene Parodien. (...) Eindrucksvoll ist der nicht einfache Spagat zwischen schwarzem Humor und dem Grauen des Holocaust. Die Diskussion um die Möglichkeit dieser Verbindung wird in der Inszenierung von Judith Kriebel aufgenommen." StadtRevue

"Till Brinkmann und Philipp Sebastian im Gewand zweier grotesker Weißclowns in Nazikluft führen als janusköpfiger Conferéncier durch das Doppelleben des Max Schulz. (...) Die Spiegel, die die gesamte Bühne auskleiden, werden zum Sinnbild, sie werfen wirkungsvoll das Geschehen zurück. Hilsenraths Groteske rührt nachhaltig an den Grundfragen von Moral und Schuld." Kölner Stadt-Anzeiger

"Judith Kriebels bewegungsreiche Inzenierung wirkt wie ein Tanz auf dem Zirkusseil und ist choreographisch einfach brillant. (...) Till Brinkmann und Philipp Sebastian spielen ihre "Doppelgänger"rollen auf Hochtouren." r(h)einkultur