HAMLET / PRINZ

Nach William Shakespeare | Jugendfrei | Ab 14 Jahren
Übertragung und Inszenierung: Rolf Johannsmeier


Premiere am 31. August 1990

Hamlet Prinz

Fotos: Michael Fehlauer

Prinz Hamlet - nach dem Tod des alten Königs vaterlos in einem doppelten Sinne, nämlich auch mit dem Verlust seiner Ideale geschlagen durch die Erkenntnis, dass sein Vater ein blutiger Tyrann war - befindet sich in jener gefährlichen Phase zwischen Jugend und Erwachsensein, in der Einsamkeit aus ideologischer Verzweiflung zu (auto-)agressiver Verblendung führen kann. Er testet seine Chancen, den Krieg anzuführen, den die Erwachsenen spielen. Der Ausschluss durch die Eltern- und Mächtigenwelt bringt ihn in Raserei. Das Spiel wird ernst, das Prinzip der Wirklichkeit ist nicht das Fairplay, sondern die vollkommene Zerstörung des Gegners. Auch in der Mutter ist  nicht mehr die Geborgenheit und Nachsicht zu finden, die traditionell erwartet werden kann. Gertrud ist die "moderne" Frau, die die Macht der Männer für sich beansprucht. Die Freunde Hamlets versuchen, seinen Anspruch auf den Thron für ihre eigenen Zwecke zu nutzen, die Liebe zwischen Hamlet und Ophelia wird nicht lebbar.

Sechs Schauspieler untersuchen das Stück auf die Möglichkeiten, sich gegenseitig mit schauspielerischen Mitteln herauszufordern, den Partner, der zum Gegner wird, zu übertrumpfen. Sie entdecken den Krieg. Wer auf der Bühne steht, regiert die Realität. Das Theater selbst wird zum Platz von Schaukämpfen, die plötzlich zu echten Kämpfen werden.

Nach "Vergiss die Sonne nicht" (1985) und den Uraufführungen "FaßNacht" (1988) und "Doktorspiele" (1989) entstand im FWT 1990 eine weitere Arbeit mit dem Regisseur, Dramaturgen, Autor und Schauspieler Rolf Johannsmeier. Wieder arbeiteten Ensemble und Regisseur auf der Basis von Improvisationen über die eigenen Fragen, die sich durch die Auseinandersetzung mit dem Text stellten.

Mit Ingrid Berzau, Silke Klug, Yvonne Racine, Wolfgang Scheiner, Dieter Scholz, Hardi Sturm | Übertragung, Inszenierung und Ausstattung Rolf Johannsmeier | Ausstattung Irmgard Pille | Regieassistenz Karin Johnson | Licht Olaf Bader | Mitarbeit Mechthild Klotz, Judith Jasper, Jürgen Horn, Traute Meyn

Presse

"Tragödie und Satyrspiel zugleich. Mit einiger szenischer Phantasie und sehr temporeich ist die Inszenierung gestaltet, immer wieder von überraschenden Brechungen und Stilwechseln durchsetzt. (...) In jedem Fall eine mutige und provozierende Aufführung" Kölner Stadt-Anzeiger

"Das hochmotivierte und konzentriert spielende Ensemble suggeriert elisabethanische Deftigkeit. (...) Dass jeder im Ensemble mehrere Rollen übernimmt, steigert das Komödiantische dieses Hamlet, dem Johannsmeier mit einer neuen Übersetzung ein flottes (...) Sprachgewand geschneidert hatte." Kölnische Rundschau