JAHRHUNDERTREVUE - WAS ICH NIE VERGESSEN WERDE

Von Ingrid Berzau, Dieter Scholz und dem FWT-Altentheaterensemble
Uraufführung/Premiere 1987, gespielt bis 2002

Jahrhundertrevue

Fotos: Michael Fehlauer

Die Akteure der "Jahrhundertrevue" zaubern mit Charme, Esprit, Witz, aber auch Biss ihr eigenes Jahrhundert, ihre eigenen Geschichten auf die Bühne.

Vom Beginn des vergangenen Jahrhunderts bis in die Gegenwart spannt das Altentheater des Freien Werkstatt Theaters Köln einen weiten Bogen. Aus dem Blickwinkel der Ensemblemitglieder wirft man einen augenzwinkernden Blick zurück auf Kaisers Geburtstag, die Strenge wilhelminischer Schulpraxis, die bittersüße erste Liebe und die beginnende Desillusionierung einer jungen Braut in den Flitterwochen. Immer wieder unterbrochen von ironisch hinterfragten Sinnsprüchen und Liedern, aber auch flotten Charleston- und Tangotanznummern, wird auch der kleinbürgerliche Mief der beginnenden Hitlerzeit und die danach kommende Katastrophe von Flucht, Vertreibung und Gefangenschaft nicht ausgespart. Auch die fetten Jahre des Wirtschaftswunders, des Wiederaufbaus und schließlich die Pensionierung als wichtige Lebenserfahrung werden auf die Schippe genommen. Die Jahrhundertrevue ist alles andere als nur ein Lehrstück für die nachfolgenden Generationen, vielmehr lässt die Kombination von unterhaltsam präsentierter Historie, kleinen Anekdoten und eigenen Geschichten nachvollziehen, wie Leben geformt wird, warum es so und eben nicht anders verläuft.

Stückentwicklung und Inszenierung Ingrid Berzau und Dieter Scholz

Presse

"Alle Monumente demontieren sie, in deren Schatten sie gestanden haben: Da ist die Parodie auf die Verehrung für den deutschen Kaiser; da wird das Hochzeitsfoto karikiert. Nun kann über den allerersten - verunglückten - Kuss gelacht werden und auch über den Hitlergruß hinter geschlossenen Türen. Heute, ja heute unterliegt die unsinnige Moral des Poesiealben-Drills den schlauen Sprüchen des Volksmundes. Heute können die Senioren ohne Kitsch und Pathos von Krieg und Wiederaufbau erzählen. Endlich, hier auf der Bühne, mit den Mitteln des Theaters, kann offengelegt und verworfen und befreit werden. Und dieser Prozess erstreckt sich von der Bühne ins Publikum. Die Zuschauer erkannten wieder, summten Lieder, sagten Sprüche mit, fanden sich selbst vor. Die Lebenswünsche im Finale dann waren ganz und gar unbescheiden. Ein schöner Abschluss für das Altentheater. Brausender Applaus, gerade auch von jungen Leuten." Rheinische Post